41. ATO-Jahrestagung: Künstliche Intelligenz - Chancen und Herausforderungen in der onkologischen Versorgung

Welche Arbeitserleichterungen kann KI in der Medizin bringen? Oder bewirkt der Einsatz von künstlicher Intelligenz gerade das Gegenteil – nämlich, dass Ärzte viel weniger selbstbestimmt arbeiten können?

Die Experten der ATO haben sich in ihrer diesjährigen Jahrestagung ein komplexes Thema vorgenommen. Die Referenten betrachten das Thema KI aus verschiedenen Blickwinkeln, von der allgemeinen Definition bis hin zu praktischen Anwendungen. Hier werden bereits vorhandene Möglichkeiten, Grenzen und Visionen vorgestellt.

Björn Eskofier, Professor für maschinelles Lernen und Datenanalytik an der Uni Erlangen-Nürnberg, hat sich beispielsweise Gedanken darübergemacht, was KI kann und bringt und Bezug genommen auf den so genannten Digitalen Zwilling. An diesem digitalen Zwilling könnte dann zunächst getestet werden, wie die Person auf bestimmte Medikamente reagiert – und so das Risiko einer Unverträglichkeit minimieren. Auch die Wirkung bestimmter Verhaltensweisen wie Ernährung oder Bewegung könnte vorab am digitalen Zwilling ausprobiert werden. Daraus würden dann Vorhersagen oder Behandlungsmethoden abgeleitet. Bislang aber ist der digitale Zwilling in der Medizin noch Zukunftsmusik. 

Lena Maier Hein, Leiterin der Abteilung Intelligente Medizinische Systeme am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg stellte bei der ATOTagung die Frage, ob Chirurgen in absehbarer Zeit durch KI ersetzt werden könnten - und beantwortete die Frage selbst mit einem Nein. Im Moment, so die Wissenschaftlerin, helfe KI vor allem da, wo das menschliche Auge an seine Grenzen stößt - beim Entschlüsseln von hochaufgelösten Bildern. Dass künstliche Intelligenz, also ein Algorithmus, die Komplexität eines menschlichen Gehirns nachbilde und damit den Menschen ersetze, sei bisher unmöglich.

Auch Dr. Eckart von Hirschhausen betrachtete das Thema KI mit seiner unvergleichlichen Mischung aus Tiefgründigkeit und Humor aus seiner Perspektive. In seinem Vortrag „Der Mensch zwischen Null und Eins“ beantwortet er die Frage wie wichtig in Zeiten von KI analoge Begegnungen, Gespräche und Berührungen bleiben. Prof. Dr. Dr. h.c. Uwe Martens, Klinikdirektor SLK-Kliniken Heilbronn GmbH und Vorsitzender des Krebsverbandes Baden-Württemberg fasste treffen zusammen: „Bereits heute kann gesagt werden, dass KI die Welt in allen Bereichen tiefgründig verändern wird - auch in der Gesundheitsversorgung. Neue Wege und Chancen in der Diagnostik und bei den Workflows werden kommen. Aber eines ist von größter Bedeutung: keine KI und kein Algorithmus wird den Menschen ersetzen können. Aber sie helfen uns, für wieder mehr Freiraum, für Kreativität und Menschlichkeit.

Die Arbeitsgemeinschaft der Tumorzentren, Onkologischen Schwerpunkten und Arbeitskreisen in Baden-Württemberg (ATO) trifft sich jährlich zu einer Tagung, die immer unter einem anderen Titel steht. Hier treffen sich interdisziplinär und interprofessionell Experten aus unterschiedlichen Berufsgruppen, die in die Versorgung onkologischen Patienten involviert sind. Die Tagung findet zusammen mit dem Krebsverband BW statt. Die ausrichtende Klinik innerhalb BadenWürttemberg wechselt jährlich. Dieses Jahr sind SLK-Kliniken Heilbronn und das Tumorzentrum Heilbronn-Franken zusammen mit dem Krebsverband Baden-Württemberg e.V. Gastgeber der diesjährigen ATO-Tagung. Die Geschäftsstelle der ATO ist beim Krebsverband Baden-Württemberg angesiedelt. 

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