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Zeigen, was möglich ist

Eine Fahrradtour mit und für Menschen mit Handicap

Was uns antreibt...

... sind unsere Teilnehmer. Sie zeigen, was möglich ist.

Jede unserer bisher neun Touren ist einmalig - einmalig in der Strecke und einmalig in der Leistung unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Außergewöhnlich, das sind sie tatsächlich, unsere Teilnehmer. Die einen arbeiten noch oder sind aktiv in den vielfältigsten Bereichen unseres Gesundheits- und Sozialwesens. Die anderen haben als Patienten oder Rehabilitanden gute, manchmal aber auch weniger erfreuliche Erfahrungen mit dem sozialen Hilfssystem in Deutschland gemacht. Nicht wenige von den Teilnehmenden haben sowohl als Sozialexperte und als Betroffener Erfahrungen gesammelt.

Mit und ohne Handicap wollen wir auf unseren Zwei- und Dreirädern unter Beweis stellen, was nach einer schweren Erkrankung, nach einem Unfall oder chronisch erkrankt wieder möglich sein kann. Wir wollen gemeinsam und mit viel Spaß Barrieren überwinden und anderen Mut machen.

Mit rund 40 solcher Experten eine gute Woche land zusammen auf Tour zu gehen, ist eine Herausforderung für alle.

Bäder- und Rehatour 2017

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01. September 2017 Stuttgart - Türkheim

 „Zeigen was möglich ist…“

Dieses Motto hat uns 2008 zusammen gebracht. 40 Radlerinnen und Radler treten nunmehr schon zum 10. Mal kräftig in die Pedale und machen sich  am 1. September 2017 vom Diakonie Klinikum Stuttgart aus in Richtung Venedig  auf den Weg.

Nach einem tollen Empfang im Diakonie Klinikum Stuttgart und einer kurzen Einstimmung von Prof. Wolf-Dietrich Hamman, dem Amtschef des Ministeriums für Soziales und Integration, starteten wir die 10. Bäder- und Rehatour in bester Laune.

Im leichten Regen fuhren wir in Begleitung von dem Sozialbürgermeister der Stadt Stuttgart, Werner Wölfle und Heike Baehrens, MdB, über den Neckarradweg in Richtung Esslingen.
Nach einem kurzen Stopp am Rathaus in Obertürkheim wurden wir im Landratsamt Esslingen mit leckeren Snacks empfangen.
Bei dieser Gelegenheit informierte Dr. Swen Wessendorf vom Klinikum Esslingen über die bevorstehende ATO – Tagung – das Jahrestreffen der Tumorzentren und Onkologischen Zentren – am 10.11.2017 in Esslingen. In der Tagung wird es um die spannende Frage der „Nutzenbewertung in der Onkologie“ gehen.
Gestärkt ging es bei etwas besserem Wetter mit kurzen Stopps an den Rathäusern Altbach, Plochingen, Reichenbach/Fils, Ebersbach/Fils in Richtung Göppingen.

In Göppingen wurden wir in dem Zentrum für ambulante Rehabilitation (ZAR), herzlich mit Kaffee, Kuchen und einem herzhaften Imbiss willkommen geheißen.Dort informierten Prof. Gerd Becker, Klinik am Eichert, und Prof. Norbert Sommer, Christophsbad was eine punktgenaue Bestrahlung oder eine frühzeitige Rehabilitation leisten kann/muss, damit krebs- oder MS-kranke Menschen möglichst bald und lange wieder am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilhaben können.

Im nunmehr wieder stärkeren Regen fuhren wir über Saalach, Gingen/Kuchen nach Bad Überkingen. Dort pausierten wir in der Luise von Marillac Klinik.
Für die letzte anstrengende Etappe gestärkt, radelten wir über Geislingen an der Steige den Albaufstieg bis nach Türkheim.
Den anstrengenden, aber unglaublich schönen Tag, haben wir im Gasthof Rössle in vielen Gesprächen Revue passieren lassen und uns gemeinsam auf unsere Tourwoche eingestimmt.

Wir möchten den Gästen die uns auf der ersten Etappe begleitet haben, Frau Heike Baehrens, Herrn Werner Wölfle, Herrn Prof. Hammann herzlich für Ihre Unterstützung danken. Auch den vielen Gemeinden und Einrichtungen, die uns in Empfang genommen haben und sogar Geldspenden für den Krebsverband überreichten, bedanken wir uns herzlich.

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02. September 2017 Türkheim - Augsburg 109 km

Wir hatten heute einen kalten aber weitgehend trockenen Tag. Der Regen zeigte sich uns vor allem durch nasse Straßen je näher wir nach Augsburg kamen.

Unser erster Halt im katholischen Zentrum in Westerstetten war sehr interessant. Das Lohnetal mit seinem Geo-Park wurde sehr anschaulich in seiner Entwicklungsgeschichte vorgestellt. Der Referent Herr Schmöller, Abteilungsleiter der AOK und Chorleiter spiegelte unseren Gedanken durch ein Miteinander beim Singen viele positive Impulse fürs Leben zu gewinnen – das ist auch unser Ansinnen bei der Reha- und Bäder-Tour.

Im Bezirkskrankenhaus Günzburg empfingen uns Prof. Thomas Becker, Leiter der Psychiatrie und Vertreter des Bayrischen Krebsverbands sowie Prof. Schönberg; die beiden letzteren begleiteten uns bis Augsburg. Der Vortrag von Prof. Becker in den schön renovierten alten Räumen – die Klinik feierte 100 jähriges Jubiläum – beeindruckte uns sehr. Die Problematik der psychischen Beeinträchtigungen und Erkrankungen wird uns auch in Zukunft beschäftigen. Desto wichtiger ist es solche kompetenten Einrichtungen zu erhalten und auch weiterhin politisch zu unterstützen.

Weiter ging es nach Augsburg, wo wir vom Stadtrand aus von Bernd Schön, dem Ersten Direktor der DRV Schwaben mit dem Fahrrad in die Stadt begleitet wurden. Der Augsburger Religionsfrieden wurde von ihn anschaulich geschildert – die Parität spiegelte sich nicht nur anhand der gleichmäßig errichteten Kirchen, sondern auch in allen wichtigen Gremien der Stadt wieder. Wir wären sicherlich gerne länger unter Führung von Bend Schön in der Stadt geblieben – er hat sich mit viel Feingefühl für die ausgekühlten Radlerinnen kurz gehalten und in unser Hotel zum warmen Duschen geführt.

Die Unterkunft im Gewerbegebiet gelegen, mit einem Gastraum für ca. 20 Personen – wir waren zusammen mit den Gästen 40, verschaffte uns einen tollen und gemütlichen Abend.

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03. September 2017 Augsburg - Kirchseeon 103 km

Unser heutiger Start war etwas holprig und das lag nicht nur am vergnüglichen Vorabend. Unsere Wirtin hatte verschlafen und präsentierte das Frühstück deutlich nach 8,.00 Uhr. Der Einstieg in unsere Route war dann auch nicht ganz so reibungslos – wir fuhren zurück in die Stadt und mussten anschließend wieder den gleichen Weg zurückfahren.

Die Verspätung hatte dann den Vorteil, dass wir mit viel Glück von einigen Schauern verschont wurden. Doch im Stadtgebiet München – wo wir einen Zwischenstopp zum Aufladen des Akkus von unserem Mitfahrer Volker eingeplant hatten – gab es dann einen heftigen Schauer, welchen wir unter Bäumen im Stadtpark abgemildert haben. Der Zwischenstopp im Augustiner mit warmen Getränken und kleinen Speisen wärmte die klammen und kalten Glieder,

Weiter ging es zum Ortsrand von München, wo uns – zu unser aller Bedauern – Verena Bentele, die Schwerbehinderten Beauftragte der Bundesregierung – wieder verlassen musste. Sie radelte mit uns den ganzen Tag als Tandemfahrerin mit Hubert Seiter. Sie war schon zum zweiten Mal bei uns dabei. Wir freuen uns alle immer sehr Sie in unserer Runde dabei zu haben.

Wir kamen dann leider mal wieder – durch eine Reifenpanne von Chistoph -  sehr spät im BFW München in Kirchseeon, unserem heutigen Etappenziel, an. Dort wurden wir ganz herzlich vom Geschäftsführer Renaldner und seinem Mitarbeiter Herrn Stiefenhofer empfangen. Die Landtagsabgeordnete Doris Rauscher nahm sich ebenfalls Zeit um uns in ihrem Wahlkreis freundlich zu begrüßen.

Die sehr schöne Unterkunft, das bayrische Abendprogramm und die Vorstellung unserer neuen Mitradler bescherte uns wieder einen wunderschönen Abend.  

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04. September 2017 Kirchseeon - Achenkirch Österreich 87 km

Die schönen Zimmer im Hotel des BFW München hätten alle gern noch ein bisschen länger genutzt. Es gab schon um 7.00 Uhr Frühstück und anschließend einen anschaulichen Vortrag über das breite Angebot des BFW München durch Herrn Stiefenhofer.

Hubert Seiter stellte danach den Grundgedanken und die Entstehung unserer Reha- und Bädertour vor – im Miteinander zeigen was möglich ist -. Die Idee entstand durch den Wunsch von Marco Longobucco einmal über die Alpen zu fahren. Bei dieser Tour in Begleitung von Marco lernte Hubert Seiter enorm viel über die tatsächliche Welt mit körperlichen Beeinträchtigungen. Dadurch beflügelt entstand die Reha- und Bädertour, die nun schon zum zehnten Mal stattfindet.
Die anwesenden Vertreter der Politik -  Ewald Schurer, MdB (SPD), Thomas Huber, MdL (CSU), Robert Niedergesäß, Landrat Ebersberg (CSU) und Barbara Burgmayr-Weigut, Zweite Bürgermeisterin Kirchseeon -  waren zusehend beeindruckt von unsere Idee und unserer Gemeinschaft.

Zwar noch mit geringer Temperatur aber Sonnenschein und blauem Himmel, nahmen wir unsere Fahrt in Richtung Österreich auf. Nebenstraßen über kleine Weiler und Blick auf die schneebedeckten Alpen haben wir nach den Regenschauern des Vortags sehr genossen.

Recht wellig fuhren wir am Tegernsee entlang bis zu unserem Stopp im Medical Park St. Hubertus in Bad Wiessee. Frau Dr. Dreyer stellte uns das bereite Angebot mit Schwerpunkt Orthopädie der Klinik vor und verschwieg auch nicht, dass die außergewöhnlich schöne Lage der Klinik neben der sehr guten Leistung der Klinik von den Patienten sehr geschätzt wird.

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05. September 2017 Achenkirch – Sterzing/Vipiteno, Italien 116 - 126 Km und ca. 1500 Höhenmeter (gefühlt 2000),

Extrem Naß, extrem Kalt, lange Abfahrt, Aufwärmen in der Bäckerei, Warmfahren im Tal, Plattfuß, Radreparaturen, sehr steil und wellig den Brenner hinauf, leere Akkus, Ankünfte im Hotel zwischen 20.00 Uhr und 22.00 Uhr!

Alle haben es geschafft – wir sind stolz und sau müde.

 

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06. September 2017 Sterzing - Olang, Italien 68km

Bedeckter Himmel, trockene Straßen und angenehme Temperaturen erfreuten uns alle am heutigen Morgen, nach dem gestrigen Tag, sehr. Die Fahrt ging auf dem gut ausgebauten Radweg Richtung Franzensfeste zu unserem ersten Halt. Kurz vor Franzensfeste auf dem welligen und schönen Radweg begegnete uns unser Überraschungsgast „Armin Köhli“, Schweizer Paralympiks Teilnehmer und Botschafter des Schweizer Behindertensportverbands PluSport. Er fuhr von Olang entgegen und begleitete uns an diesem Tag. Er zeigte gleich seine Hilfsbereitschaft und schob kräftig mit, um das Tandemteam Stefan und Josef die kurzen Rampen hochzubringen. Die von Hubert Seiter angekündigte Überraschung war sehr gelungen – alle freuten sich Armin wieder zu sehen - er begleitete uns schon im letzten Jahr auf der Tour durch die Schweiz -.

Nach Franzenfeste ging es ins Pustertal. Der gut ausgebaute Radweg hatte immer wieder kurze und giftige Anstiege. In Ehrenburg rasteten wir am Bahnhof, wo uns die Präsidentin der Südtiroler Krebshilfe Ida Schacher mit ihrer Redakteurin Nicole Steiner empfing. Nicole Steiner begleitete uns mit ihrem Rennrad bis Mitterolang zum Empfang am Pavillion und konnte dadurch einen guten Eindruck von unserer Gemeinschaft gewinnen – sie würde am liebsten beim nächsten Mal mitfahren. Zur Begrüßung in Olang wurden wir mit Köstlichkeiten aus der Region verwöhnt. Die Präsidentin des Krebsverbands Unterpustertal, Frau Martha Feichtner sowie der Bürgermeister Georg Reden stellten sich vor und lobten unsere Aktion „Zeigen was möglich ist“.

Da unser Hotel gleich in der Nähe lag, waren wir heute mal deutlich früher am Zielort als in den Vortagen, was alle sichtlich genossen.

Am Abend wurde uns von Hubert Waldner – von der Privatklink Villa Melitta, Bozen -  das System und Angebot im Bereich der medizinischen Rehabilitation in Südtirol vorgestellt.  Pro 1000 Einwohner soll es ein Reha-Bett geben. Tatsächlich sind nur 470 Betten umgesetzt, geschuldet durch den Sparwillen der Regierung. Sein Vater hatte die Klinik gegründet und ist heute noch in privater Hand. Es gibt nur wenige Privatkliniken in Südtirol, die aus Sicht von Herrn Waldner besser sind, es aber schwer haben sich am Markt zu halten. Die öffentlichen Krankenhäuser haben jeweils angeschlossene Reha-Bereiche.

 

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07. September 2017 Olang – Pieve di Cadore, Italien 78 km

Kühl aber trocken ging es heute auf die vorletzte Etappe. Bis Toblach fuhren wir noch allein und dann stießen die „drei Mädels vom der Krebshilfe“ als Gides hinzu, denn die Strecke war teilweise durch Murenabgänge nicht befahrbar und da kam die charmante Insiderhilfe gut an. Wir kamen am Toblachsee bei gutem Wetter und bester Stimmung an und machten beeindruckt von der wunderschönen Landschaft eine Pause mit Kaffee und Kuchen.  Die drei Damen schickten uns dann mit den besten Wünschen auf unsere weitere Reise.

Die „Schieber“ des Tandems mit Josef und Stefan machten heute eine gute Figur auf dem losen Untergrund des Radweges.

Leider hatte das Tandem dann noch einen Platten, der mit Unterstützung von mindestens 7 fachkundigen Radlern dann aber gut geflickt werden konnte.

Unser Halt mit Blick auf die 3 Zinnen brachte uns wieder auf positive Gedanken. Der nächste Halt war schon nach wenigen Kilometern auf der Passhöhe (1550).  Die lange Abfahrt auf einem super ausgebauten Radweg (früherer Bahndamm) wäre ohne den einsetzenden Regen noch viel schöner gewesen – doch auch das haben wir gemeinsam gemeistert. Ein Zwischenstopp kurz vor unserem Ziel bescherte besten italienischen Kaffee und fantastisch schmeckende Pizza.

Die Ankunft im Hotel war spannend, denn die Wirtsleute waren offensichtlich nicht auf ein Abendessen vorbereitet – doch wir sind alle zuversichtlich, dass auch dieser Abend gut gelingen wird.

 

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08. September 2017 Pieve – Mestre/Venedig, Italien 145 Km

Die Sonne begrüßte uns an diesem frischen Morgen zu unserer Schlussetappe. Zunächst ging es auf absolut verkehrsarmen Straßen das „Cadoretal“ viele Kilometer abwärts, bevor wir in der Ebene einige größere Städte durchfahren mussten. In Coneglia – die Gruppe war schon weit auseinandergezogen – wartete unser Tourbus in der Stadt auf uns. Patrik suchte den Standort des Tourbusses und fand deshalb den Anschluss an die Radgruppe, die in einem Stadtpark mit Eisdiele rastete, nicht mehr. Er schlug sich auf eigene Faust bis zum Einbruch der Dunkelheit bis kurz vor Mestre durch und wurde von unserem Busfahrer Josef - zu später Stunde (22.00 Uhr) - wohlbehalten abgeholt.

Nach der „Eis-Pause“ verlief die Strecke erfreulicherweise wieder durch verkehrsärmere kleinere Ortschaften, die Temperatur stieg und man konnte das Meer schon fast riechen. Vierzig Kilometer vor dem Ziel gab es in einer kleinen Bar den letzten Zwischenstopp an diesem Tag. Wir bestellten unseren Tourbus, sowie den großen Reisebus dorthin, um einigen Radlern die letzten Kilometer in der Wärme zu sparen. Der größte Teil der Gruppe fuhr dann weiter in Richtung Etappenziel „Camping Village Jolly“, welches wir wieder einmal kurz vor Einbruch der kompletten Dunkelheit nach 145 Kilometern auch gemeinsam erreichten. Alle freuten sich sichtlich, diese doch nicht immer einfache und anstrengende Tour, geschafft zu haben.

Die Nacht in Wohncontainern – nahe einer stark befahrenen Bundesstraße – zu verbringen, war ein besonderes Erlebnis, vor allem für den jeweils „dritten Mann“ im Stockbett. Dank der cleveren „Zimmereinteilung“ von Uli Clever, war auch diese Herausforderung kein Problem.

Zum Abendessen gab es zunächst salzige Pommes, die reißenden Absatz fanden. Die anschließend servierte große Portion Rigatoni schmeckte gut und machte die hungrigen Radfahrer zufrieden und satt. Leider konnten wir im Campingplatzrestaurant keine gemeinsame Abschiedsfeier zur Würdigung der engagierten Helfer machen, denn der Lärmpegel ließ dies nicht zu. Deshalb - auch an dieser Stelle - allen Beteiligten nochmals vielen Dank für die Mithilfe und das Gelingen dieser erlebnisreichen 10. Reha- und Bäder-Tour.

 

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